Paella - ein spanisches Feuerwerk

Das spanische Nationalgericht ist ein Feuerwerk mediterraner Zutaten. Fast jede spanische Familie hat ihr eigenes Rezept, denn die farbenprächtige Reispfanne lässt sich nach Belieben variieren. Safran gibt dem Reis die goldene Farbe und der Paella ihr unverwechselbares Aroma.

Im Gepäck der Eroberer: Reis und Safran

Im Gepäck der Eroberer: Reis und Safran
Reis und Safran, die Grundzutaten für die Paella.
Die farbenprächtige, aromatische Paella gilt als spanisches Nationalgericht und ist auch ausserhalb Spaniens das bekannteste Gericht dieses Landes. Über die Entstehung der Paella ist wenig Konkretes bekannt. Zwei wesentliche Zutaten, Reis und Safran, wurden vor über 1000 Jahren von den nordafrikanischen Mauren in Spanien eingeführt. Noch heute wird Reis in der spanischen Levante (Provinzen Murcia, Alicante, Valencia, Castellón de la Plana) angebaut. Spanischer Safran aus La Mancha gilt als der beste der Welt. Seit wann der kostbare Safran dem Gericht beigefügt wird, lässt sich kaum sagen; sicherlich war er zu Beginn des 19. Jahrhunderts eines der beliebtesten Gewürze der gehobenen spanischen Küche.

Die Paella der Landarbeiter

Die Paella der Landarbeiter
Je nach Region oder persönlichen Vorlieben wird der Reis durch unterschiedliche Zutaten ergänzt.

Aber auch beim gewöhnlichen Volk war das Reisgericht beliebt, wenn auch der Safran darin fehlte: Die Landarbeiter in den Reisfeldern und Gemüsegärten in der Nähe der Stadt Valencia sollen das Gericht im 18. Jahrhundert über einem offenen Feuer in einer flachen Pfanne auf dem Feld zubereitet haben. Der Reis wurde durch regionale Produkte ergänzt, z.B. durch Schnecken, Bohnen und Aale! Das Gericht wurde mit kleinen, ganzen Zwiebeln gegessen. Bei besonderen Anlässen fügte man Kaninchen, Wildente oder Poulet hinzu.

Die Paella erlangte im 19. Jahrhundert unter der Bevölkerung Valencias grosse Popularität. Eigentlich ist der alte Name des Gerichts «arroz a la valenciana». Diese Bezeichnung kennt man schon seit Beginn des 18. Jahrhunderts, auch «a la paella» war geläufig, so ist es einer handschriftlichen Rezeptsammlung dieser Zeit zu entnehmen. Ab Mitte der 1960er-Jahre steigt das Interesse an der Paella, sie wird nun in ganz Spanien gekocht.

Rezept: Paella mit Poulet

Paella: Die Pfanne - das Gericht

Paella: Die Pfanne - das Gericht
Auf dem offenen Feuer im Freien zubereitet und direkt aus der Pfanne gegessen: So schmeckt den Spanierinnen und Spaniern die Paella am besten.

Das Gericht trägt eigentlich den Namen der Pfanne (paella), in der es zubereitet wird. Ihr Durchmesser richtet sich nach der Anzahl der Essenden, nämlich von 20 bis zu 100 cm. Ursprünglich war die Pfanne aus Stahl, die Seitenwände neigen sich leicht nach aussen, daran montiert sind zwei Griffe.

Beliebt ist bei vielen Einheimischen die schmackhafte Kruste, die sich am Pfannenboden bildet. Für viele Spanier und Spanierinnen bildet der Höhepunkt eines Ausflugs das Essen einer Paella im Freien. Alle Zutaten und die Pfanne werden eingepackt, das Holz wird beim Picknickplatz zusammengesucht. Traditionell wird die Paella mit einem (Holz-)Löffel direkt aus der Pfanne gegessen. Ursprünglich wurde sie nur zum Mittagessen, also bis 15 Uhr, zu sich genommen, da sie sehr nahrhaft und sättigend ist. Der Rauch des offenen Feuers gibt dem Gericht eine Geschmackskomponente, die einmalig ist.

Rezept: Paella vom Grill mit Poulet, Riesencrevetten und Meerfischen

Der «Eintopf» aus der flachen Pfanne

Der «Eintopf» aus der flachen Pfanne
Jede Spanierin bzw. jeder Spanier kennt mindestens drei Paella-Rezepte. Die Varianten könnten inzwischen Bände füllen.

Mit der Zeit vergrösserte sich das Spektrum der Zutaten für die Paella, von der es inzwischen unzählige Rezepte gibt. Heute kann eine Paella neben Reis, Safran und Olivenöl diverse Zutaten enthalten: Hummer, Garnelen, Herz-, Miesmuscheln, Tintenfisch, Chorizo (Wurst), Poulet, Kaninchen, Bohnen, Erbsen, rote Peperoni u.v.m. - Budget, Region und persönliche Vorlieben entscheiden über das Rezept.

Die echte «Paella Valenciana» beinhaltet Reis, Poulet und/oder Kaninchen, Bohnen, Tomaten, Olivenöl, Peperoni, Safran, frischen Rosmarin und - wers mag: Schnecken. Im Winter werden die Bohnen durch Artischocken, Dörrbohnen und/oder Erbsen ersetzt. Reisgerichte aus der Paella- Pfanne dürfen beliebige Zutaten enthalten, es ist jedoch dann nicht gestattet, den Zusatz «Valenciana» zu verwenden. Selbst im Parlament Valencias war das Reisgericht in den letzten Jahren ein Thema, debattiert wurde über die «korrekten» Zutaten der «Paella Valenciana».

Würde man unter hundert Spanerinnen une Spaniern eine Umfrage starten, was in eine Paella gehört, hätte man gleich ein ganzes Kochbuch beisammen, denn es würde hundert unterschiedliche Antworten geben.

Rezept: Frühlings-Paella mit Kaninchenschenkeln

Spanischer Reis für das Nationalgericht

Spanischer Reis für das Nationalgericht
Spanische Rundkornreissorten wie «Bomba» und «Bahia» sind besonders saugfähig und nehmen die Aromen der anderen Zutaten gut auf.

Seit dem 18. Jahrhundert gilt Reis in Spanien als Grundnahrungsmittel. Spanierinnen und Spanier bevorzugen saugfähigen Reis, denn er soll die Aromen der anderen Zutaten aufnehmen. In Spanien sind die Rundkornreissorten beliebt, bekannt sind etwa «Bomba» und «Bahia». Die mittelgrossen Reiskörner besitzen einen grösseren Anteil an Stärke als andere Sorten; dies hat zur Folge, dass sie die Aromen der übrigen Zutaten besser aufnehmen. Heute wird für die Paella oft auch Langkornreis oder Risottoreis verwendet; letzterer macht die Paella etwas cremiger und kompakter.

Die Paella ist bereit, wenn alle Zutaten gar sind und sich der Reis im idealen Zustand befindet: Die Körner kleben nicht zusammmen, sie sind aussen weich und innen bissfest.

Was seit Jahrzehnten dem mitteleuropäischen Mann der Grill ist, ist dem Spanier die Paella-Pfanne. Die Paella war jahrzehntelang das einzige Gericht, das einen Spanier zum Kochlöffel greifen liess.